Multiprofessionelle, sektorenübergreifende Versorgung im Stadtteil durch Pflegezentren

Titel des Projekts: Pflege stationär – Weiterdenken! Modellverbund zur multiprofessionellen, sektorenübergreifenden Versorgung in Bielefeld und Herford


Laufzeit: April 2016 bis März 2019


Projektbeschreibung: In den letzten Jahren hat sich die gesundheitliche, pflegerische und soziale Versorgung sowohl auf konzeptueller als auch auf Angebotsebene rasant entwickelt. Allerdings stehen die Angebote, die aus dieser Entwicklung resultieren, oft ohne gemeinsame Berührungspunkte bzw. Schnittstellen isoliert und unverbunden nebeneinander. Darüber hinaus sind die regional bzw. im Stadtteil verfügbaren Angebote teilweise nicht systematisch an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausgerichtet und/oder regional fehlverteilt.

Vor diesem Hintergrund ist das Ziel des von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW geförderten Projekts, stationäre Einrichtungen der Langzeitpflege so weiterzuentwickeln, dass sie im Stadtteil die Funktion sektorenübergreifender, multiprofessioneller Pflegezentren einnehmen können. Als solche dienen sie als Anlaufstelle für alte, chronische kranke und/oder hilfe- und pflegebedürftige Menschen, um Unterstützungsleistungen (z. B. Beratung, ambulante Pflege, medizinische Versorgung) zu erhalten. Dafür kooperieren die Pflegezentren mit den bereits vor Ort ansässigen Anbietern und helfen als „Koordinator“, Schnittstellenprobleme und Versorgungsbrüche zu vermeiden. Sie sollen aber auch selbst – unter Berücksichtigung bereits vorhandener Anbieter – gesundheitliche, soziale und pflegerische Angebote ergänzend erbringen. Sie integrieren also ambulante und stationäre Angebote und vereinen verschiedene Dienstleistungen, Professionen und Angebotsformen unter einem Dach. Auf diese Weise ermöglichen sie dezentral im Stadtteil eine umfassende bedarfs- und bedürfnisgerechte, abgestimmte und koordinierte Versorgung.

Das Vorhaben hat eine Gesamtlaufzeit von drei Jahren und gliedert sich in drei Teilprojekte. Der grundlegende Projektablauf ist in Abbildung 1 ersichtlich.

Abbildung 1

Abbildung 1. Projektablauf

Konzeptentwicklung (6 Monate): In diesem Teilprojekt wird ein Konzept für das Pflegezentrum im Stadtteil entwickelt, das fachlich, rechtlich und wirtschaftlich geprüft und umsetzbar ist. Dieser „Idealtypus“ setzt sich aus verschiedenen Teilkonzepten für unterschiedliche Angebotsformen sowie übergreifende Aufgaben zusammen. Mit dem Konzept wird das Dienstleistungsangebot beschreiben, welches ein Pflegezentrum abdecken sollte, um die beschriebene Zielsetzung in vollem Umfang zu erfüllen.

Parallel zur Erstellung des Konzepts wird der Bedarf der Quartiersbevölkerung sowie das in den Stadtteilen bereits vorhandene Angebot analysiert. Basierend auf den Ergebnissen dieser Analyse werden anschließend für jeden Standort konkrete Umsetzungsmodelle („Realtypen“) für eine gezielte Angebotserweiterung der beteiligten Pflegeheime sowie für die Bildung von Netzwerken und Kooperationen mit ortsansässigen Dienstleistern ausdifferenziert.

Des Weiteren werden die Anforderungen auf Ebene der Einrichtungsträger sowie auch bei weiteren Beteiligten (z.B. den Pflegekassen) beschrieben bzw. mit diesen abgestimmt, um die Umsetzung der Angebote zu gewährleisten. Flankiert wird der Prozess der Konzept- und Modellentwicklung durch Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit, mit denen das erweiterte Angebot bzw. die neue Ausrichtung der Einrichtungen in den Stadtteilen bekannt gemacht wird.

Pilotierung (30 Monate): Basierend auf den im ersten Teilprojekt entwickelten Konzepten und Modellen wird für jede der beteiligten Einrichtungen ein individueller Projektplan entwickelt und umgesetzt, anhand dessen die Weiterentwicklung von einer „herkömmlichen“ stationären Einrichtung zu einem Gesundheits- und Pflegezentrum erfolgt: Die Umsetzungsmodelle werden sukzessive in die Tat umgesetzt; ggf. erforderliche Maßnahmen der Organisationsentwicklung wie bspw. Personalmanagement oder organisatorisch-strukturelle Veränderungen sowie Kooperationen mit ortsansässigen Anbietern werden realisiert. Die kooperativen Beziehungen stellen Netzwerke her und verbinden Angebote – also auch solche, die nicht vom Pflegezentrum zur Verfügung gestellt werden. Sie berücksichtigen familiäre und soziale Bedingungen sowie Ressourcen im Sozialraum und führen zu Synergien für QuartiersbewohnerInnen ohne Verluste für die einzelnen Anbieter.

Das Angebotsportfolio der Pflegezentren wird den BewohnerInnen der jeweiligen Quartiere auf unterschiedlichen Kanälen detailliert vorgestellt, so dass diese das Angebot konkret nachfragen können. Alle umgesetzten Angebote werden zeitnah ausgewertet und evaluiert, um frühzeitig, d.h. noch während der Projektlaufzeit, erforderliche Anpassungsschritte vornehmen und diese wiederum bewerten zu können.

Evaluation (zeitlich parallel zu den anderen Teilprojekten sowie sechs Monate darüber hinaus): Das entwickelte Konzept, dessen Umsetzung in den Einrichtungen und die Wirkungen der Pflegezentren auf die Lebens- und Versorgungsqualität der NutzerInnen werden ebenso überprüft, wie Fragen über die betriebswirtschaftliche Tragfähigkeit und über volkswirtschaftliche bzw. gesamtgesellschaftliche Potenziale beantwortet werden. Auch erfolgt eine Reflexion der rechtlichen Rahmenbedingungen vor dem Projekthintergrund (erleichternde und erschwerende Faktoren). Darüber hinaus wird eine Analyse des „Innovationsgehalts“ der sektorenübergreifenden Pflegezentren vorgenommen. Dies geschieht anhand etablierter Modelle für Pflege- und Gesundheitszentren (z.B. der WHO) und der abzuleitenden grundsätzlichen Potentiale zur Weiterentwicklung stationärer Pflegeeinrichtungen zu sektorenübergreifenden multiprofessionellen Gesundheitszentren im Quartier.

Kooperationspartner: Das Projekt zeichnet sich u.a. durch die Vielzahl von beteiligten Institutionen und Personen aus. Es wird durch das Alters-Institut geleitet, insgesamt jedoch durch viele Kooperationspartner getragen, die unterschiedliche Rollen und Aufgaben wahrnehmen:

  • Das Alters-Institut übernimmt die fachliche Begleitung des Vorhabens, die Koordination des Verbunds und die administrativen Pflichten für die beteiligten Träger der Wohlfahrtspflege.
  • Operative Partner sind vier stationäre Pflegeeinrichtungen (Frieda-Nadig-Haus, Pflegezentrum Lohmannshof, Seniorenzentrum Baumheide – alle Bielefeld –, Johannes-Haus Herford) und
  • deren Träger (Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe, v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, Ev. Johanneswerk),
  • strategische Partner die Städte Bielefeld und Herford.
  • Kooperationspartner für die Evaluation ist die Arbeitsgruppe 6 Versorgungsforschung und Pflegewissenschaft der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld.

 

Alters Institut AWO Bethel
Stadt Bielefeld O!Herford Johanneswerk
Stiftung Wohlfahrtspflege Universität Bielefeld  

 


 

Projektteam

Dr. Frauke Schönberg  Projektleitung / Dr. Frauke Schönberg

Dr. PH Henning Cramer  Karin Heuer  Edda Bekemeier1 

Dr.
Henning Cramer      Karin Heuer              Edda Bekemeier      

Jochen Blanke  Nina Hoffmann  Sabine Freitag

Jochen Blanke         Nina Florack            Sabine Freitag